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Something Stupid? - The Result

Geschafft. In vier Tagen lernte ich einen Monolog aus "And Björk, of course" von Thorvaldur Thorsteinsson. Ein Monolog über einen Mann, der sich manchmal wünscht, geistig behindert zu sein, damit er sorglos leben und Frauen an die "Titten" fassen kann, ohne dafür zur Verantwortung gezogen zu werden.

An Tag zwei hatte ich den Text bis auf einige kleine Hänger ganz gut drauf. An Tag drei und vier entwickelten wir (ein Schauspielkollege, den ich gebeten hatte, mich zu inszenieren) mit einem Durchlauf nach dem anderen die richtige Form und probten das richtige Timing. Dann war es soweit. Der Tag der Aufführung. Ich wollte es abbrechen, sein lassen. Es konnte unmöglich klappen. Die Texthänger waren immer noch da und irgendwie fühlte ich mich nicht vorbereitet genug. Die Lust nach einem harten alkoholischen Getränk stieg mit jeder Zigarette, die ich vor lauter Nervösität im Akkord rauchte. Kein Entkommen. Mein Regisseur hätte mich notfalls auf die Bühne geprügelt. Ich verfluchte es, ausgerechnet ihn gefragt zu haben, so nett er auch sein mochte. Wenn es stimmt, dass Schauspieler bei einer Aufführung den gleichen Puls aufweisen, wie Jetpiloten bei Start und Landung einer Maschine, musste ich in dem Moment ein Space-Shuttle-Pilot gewesen sein. Bei der Landung. In einem brennenden Space-Shuttle. Ohne Sauerstoffvorrat...

Licht aus. Ich komme im Dunkeln auf die Bühne. Spot an. Da stehe ich nun. Ganz alleine im Rampenlicht und schaue mir das Publikum an. Ich blicke in jedes einzelne, erwartungsvolle Gesicht, sofern der Scheinwerfer es mich erkennen lässt. Ich atme tief durch und beginne letztendlich mit einem souveränen "Manchmal wünsche ich mir, ich wäre geistig behindert". Pause. Die ersten Lacher. Perfekt. Ab da ziehe ich es bis zum Ende durch. Zum Schluss musste ich aus dem Bühnenoff ganze drei Mal zurück auf die Bühne, um mich zu verbeugen, da das Klatschen und Pfeifen des Publikums nicht verstummen wollte.
Auf der Party nach der Aufführung konnte ich mich tatsächlich vor Umarmungen und Komplimenten nicht retten. Ein Erfolgserlebnis sondergleichen. Von Dozenten fielen Worte wie "Perfekt. Auf den Punkt gespielt. Absolut super! Eines der Highlights des Tages!", Kollegen und Kolleginnen standen Schlange, um mich zu komplimentieren und ich selbst konnte es noch am Wenigsten fassen.

Kurzum schien dieses Vier-Tage-Experiment so beeindruckend gewesen zu sein, dass drei Tage später, bei einer Anfrage einer privaten Regieschule aus Dortmund, mein Schulleiter meine Telefonnummer weiter vermittelte. Die Regieschule suchte, unter Leitung eines einigermaßen bekannten Regisseurs und Drehbuchautors, eine Hand voll Schauspieler, um sie bei einem Seminar von Regiestudenten anweisen zu lassen. Zwei Tage lang drehte ich also an einem ziemlich professionell aufgebautem Set ca. zwölf verschiedene Szenen (da andere männliche Schauspieler ausgefallen waren) unter Anleitung von zwölf verschiedenen Studenten. Vom geistig zurückgebliebenen bishin zum Schwerkriminellen war alles dabei und ich warte nunmehr auf das Filmmaterial, das ich zugeschickt bekommen soll. Der Regisseur selbst schien recht beeindruckt und versicherte, dass er ungeheure Lust hätte, in Zukunft mal mit mir zu arbeiten. Meine Nummer und Emailadresse hätte er ja bereits. So wird also aus einer Schnapsidee eine kleine Lawine. Würde nicht die Gefahr bestehen, dass ich beim nächsten Mal an einem Herzinfarkt sterben könnte, würde ich doch glatt versuchen, meinen nächsten Monolog in drei Tagen vorzubereiten.

 

 

MadActor - seine füße einzementiert hat, um auf dem boden zu bleiben

30.11.08 04:24
 


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bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


dude / Website (30.11.08 07:54)
ich musste mir beim lesen des eintrags die ganze zeit vorstellen, du spieltest dieter bohlen. der lebt ja auch sorglos und fasst bestimmt sehr vielen frauen an die titten.
glückwunsch jedenfalls zu diesem tollen erfolg. ich gönn es dir so.
gruß,
dude


MadActor / Website (30.11.08 12:24)
Vielen vielen Dank, Dude. Es tut mir z.Zt. auch tatsächlich ganz gut.

Und was Dieter Bohlen betrifft, so sprach ich ja von "geistig behindert" und nicht von "geistesgestört" ;-)


(30.11.08 17:03)
Mad,
wie Du Deine Texte verfasst, hebt jedes Mal - wirklich jedes Mal - meine Stimmung. Diesen Deinen Eintrag habe ich heute Früh nach dem Aufstehen gelesen und hat mir mein erstes breites Grinsen des Tages beschert.

Und was soll ich sagen? Ich habe immernoch gute Laune.

Glückwunsch zu Deiner steilen Karriere. Wenn Du Videomaterial von den Drehs zur Hand haben solltest, würdest Du mit einer visuellen Kostprobe einer kleinen Füchsin eine ganz große Freude machen.



Der Weg geht also steil nach oben, ja?

Füchsisch schmunzelnd,
Alaya

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