Version 1 - Digital Arts Only Me Zapped Konzernophobia Schauspielschule Top 5 Friends Abonnieren Home Archiv Gästebuch Kontakt
I Know A Dream When I See One

Ich benötige ein neues Domizil. Lange Geschichte, weshalb dem so ist. Fakt ist: es ist einfach so.
Im allerbesten Fall, sollte ich bereits zu Neujahr einziehen können. Und während ich mich in Gedanken an der Aussicht meines neuen, mit Andy Warhol bekleisterten, Penthouses ergötze, merke ich, dass die Realität vollkommen von einem orangenen, mit Paolo-Conte-Musik unterlegtem Sonnenuntergangs-Panorama entfernt ist. Nein, die Realität knallt mir ihre grauen, unrenovierten, graffiti besprühten Wände mitten in's Gesicht. Angebotsüberschriften versprechen "Kleines Reich" und offenbaren sich als Abstellkammer, welche man sich mit einem Heiz- und einigen Fremdkörpern zu teilen hat. Jedes Inserat, welches mit "Studenten aufgepasst!", "Perfekte Singlewohnung" oder aber "Freundliches 1-Zimmer-Appartement" angekündigt ist, wandelt sich in ein "Sonst-will-es-niemand-aber-vielleicht-bist-DU-ja-so-verzweifelt-dass-du-hier-
einziehen-würdest"-Phänomen. Es gilt, die Heizungen selbst zu montieren, die Möbel so zu zersägen, dass sie auch unter zwei, beidseitg bis zum Wohnungsboden reichenden, Dachschrägen Platz finden oder aber ein Mal täglich das Laufrad für zwei Stunden zu berennen, um warmes Wasser zu bekommen, welches mit den anderen Parteien im Haus zu teilen ist. Gelegentliche sexuelle Gefälligkeiten dem Vermieter gegenüber werden zwar erwartet, jedoch selten von der Kaltmiete abgerechnet und das Aufhängen von verblichenen Backstreetboys-Postern wird als "ausreichende Wärmedämmung" bezeichnet. So erfährt man auch, dass mit "Zentrumsnah" auch das nahegelegene "Deutsche Zentrum für Altersfragen" gemeint sein kann und ein "Domblick" bei einem vergitterten Fenster in der Größe von zwanzig mal zwanzig Zentimetern bestenfalls als "Dom in Diaperspektive" zu kennzeichnen wäre.


Doch irgendwo in dieser Stadt gibt es sie. Die Wohnung, die mich glücklich machen wird. Die mich, mit all meinen Macken, meiner Musik und meinem ganzen Geprobe freundlich aufnehmen wird. Mir, mit ihren vielleicht zwanzig Quadratmetern, sagen wird "Okay Freundchen, hier ist die Grenze aber bis dahin kannst du machen, was auch immer du willst." Die mir den Raum und die Wärme gibt, mich wohl zu fühlen und die Sonne auf mich scheinen lässt. Eine Wohnung, die mir Perspektiven eröffnet. Und sei es nur die Perspektive auf die gegenüber liegende Plakatwand, welche mir mit ihren aufgekleisterten Strandbildern aufzeigt, wie es auf der anderen Seite der Welt noch schöner sein könnte.

Irgendwo ist sie. Und so lange werde ich durch die verregneten Straßen tapsen, hoffen, dass irgendein armer, vom Schicksal gebeutelter Mensch, aus irgendeinem ebenso schicksalhaftem Grund, seine geliebte Wohnung aufgeben muss und ausgerechnet ich in diesem Moment genau darüber stolpere und realisiere, einen Hort gefunden zu haben, der mich mit weit ausgebreiteten Wänden in sein innerstes schließt.

 

 

MadActor - bastelt sich seine eigene wohnung aus pappmaché

16.12.08 01:37
 


Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen






Gratis bloggen bei
myblog.de