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Schauspielschule

Hey June

Ende Juni ist es soweit. Der rote Teppich wird ausgerollt, die Leute applaudieren weil sie es irgendwie auch müssen. Schließlich sind es ja Verwandte und Freunde, die sich nicht lumpen lassen wollen. Die unteren Semester stehen mit einer Mischung von Tränen und Ehrfurcht am Theatereingang und wünschen sich ihren eigenen Abschluss sehnlichst herbei, genau so, wie ich es in den letzten Semestern auch tat. Zu wünschen, man kann endlich dieses Studium hinter sich lassen, in die weite Welt hinausschreien, die Ellbogenschoner anziehen und "Ready to Rumble" um die beste Rolle auf dem freien Markt.

Im Juni ist es soweit. Die Gedanken der letzten Wochen werden sich verwirklichen. Das Stück Papier in der Hand und die Angst, nicht gut genug zu sein. Die Befürchtung, den Rest seines Lebens irgendwo zu Kellnern und sich mit Nebenjobs über Wasser zu halten, um seinen Enkelkindern dann von geplatzten Träumen erzählen zu dürfen. "Beinahe wäre ich und hätte ich und dann hätte und wäre ich..." wären die Hauptfragmente meiner Opa-Geschichten, welche die Kleinen irgendwann zum Augenverdrehen und Fernseher-lauter-drehen nötigen würden.

Im Juni ist es soweit. Sich in den Armen liegen und heilige Versprechen abgeben, dass man sich nie vergisst und "natürlich telefonieren wir mindestens ein Mal in der Woche", um gemeinsam abends sein Bier zu trinken und sich darüber aufzuregen, dass alles so schlecht läuft in diesem, von B- und C-Promis überfluteten, Gewerbe. Sich gegenseitig samt Alkohol auf den Sockel der Kunst heben um von dort aus die massentaugliche "Quantität statt Qualität"-Faustregel derjenigen zu verfluchen, die unsere Arbeitswelt in den Händen halten. Den Blick dabei immer über das stumme Mobiltelefon schweifend, welches jetzt zum persönlichen Arbeitsvermittler befördert wurde und dessen Display man gelegentlich nochmal aufleuchten lässt, um sicherzustellen, dass es tatsächlich noch nicht vor Langeweile den Geist aufgegeben hat.

Im Juni. In der Sonne. Am Weiher. Irgendwann aufstehen, das Grillwürstchen auf dem Feuer anbrennen lassen und den Blick über die Großstadt schweifen lassen. Genau so ahnungslos und voller blauäugiger Euphorie den Hochhäusern entgegenflüstern "Hier bin ich. Und jetzt packe ich Dich!". Wie damals im Juni. Vor vier Jahren, als das alles begann, was jetzt bald zu Ende sein wird...Das wäre doch schön.

 

MadActor

3.6.09 01:50


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Travaja La Vida

Mein letztes Semester hat begonnen und die Angst vor der Zukunft schreitet mit jedem Tag weiter voran.

Selbst die Frage, was mit diesem Blog geschehen wird, wenn ich im Juni mein Studium abgeschlossen habe, beschäftigt mich. Nebenbei gibt es viel Arbeit zu erledigen. Drei Monologe sind zu lernen,zwei große Inszenierungen stehen an und drei Theaterprojekte mit Kollegen, wobei ich bei einer davon selbst inszeniere.

Eine Sportstudie besagt, dass man, wenn man das Gefühl hat, garnicht mehr zu können vor Erschöpfung, erst ein Drittel seiner Energiereserven verbraucht hat. Ich verstehe dieses System, denn es scheint sich bei mir des Öfteren bewahrheitet zu haben. Eine kleine gute Nachricht erreichte mich vor zwei Wochen, die mir ein wenig die Angst aus den Segeln nimmt:

Ein sehr guter Freund von mir arbeitet an einer teuren Filmproduktion mit, bei der bereits sicher zu sein scheint, dass ich eine der größeren Rollen übernehmen soll - wenn alles glatt läuft. Unter anderem soll auch ein namhafter deutscher Schauspieler mitwirken, der mit dem Produzenten sehr gut befreundet ist. Eine Ehre für mich, dass ich überhaupt gefragt wurde und ein Sprungbrett, wie ich es mir nicht besser wünschen könnte. Kein Umherwandern und bangen bei zig verschiedenen Castings, sondern ein sicherer Job auf Grund einer Empfehlung - vorerst - und, wie gesagt: wenn alles glatt läuft...Die Dreharbeiten würden im März oder April beginnen

Aber zuerst stehen andere Dinge an. Ich coache einige Musiker an diesem Wochenende für ihr Musikvideo, welches sie drehen werden. Auch auf Grund einer Empfehlung - es hat acht Semester gedauert, damit ich jetzt langsam verstehe, wie dieses Geschäft zu laufen scheint.

Und wieder beginnt es in meinem Kopf zu rumoren, dass mein Alltag sich ändern muss. Crunches statt Burger, um bei meiner nächsten Aufführung in bestimmten Szenen eine gute Figur zu machen. Telefonate und Formulare statt Playstation, um mich auf den Berufseinstieg vorzubereiten...Langsam wird es ernst.

 

MadActor - die falten aus seiner stirn bügelt

27.1.09 10:03


Dig In

Dem aufmerksamen Leser wird aufgefallen sein, dass ich mich gelegentlich zu Dingen hinreißen lasse, die alles andere als klug oder logisch nachvollziehbar gelten dürften. Ich habe nun die Befürchtung, dass mein nächstes Vorhaben in eben die selbe Kategorie fällt. Zur Erläuterung: nachdem man an die kompletten acht Semester an der, von mir mit aller Ehrfurcht besuchten, Schauspielschule überstanden hat, darf man sich am letzten Schultag bei einer feuchtfröhlichen Galafeier ordentlich auf dieses großartige Ereignis begießen. Wie der Name "Gala" bereits aussagt, handelt es sich nicht um eine gewöhnliche Feier. Nein. Wunderhübsche Damen und Herren in feinen Anzügen schlendern über einen roten Teppich, beklatscht von unteren Semestern, Dozenten und Familienangehörigen. Laudatien werden gehalten, vier Jahre Studium werden Revue passiert und nach einem Feuerwerk gibt es eine Riesenparty, welche selten vor neun Uhr morgens ein Ende findet. All dies wird komplett von dem siebten Semester organisiert und vorbereitet. Und was wäre eine ordentliche Gala ohne ein richtiges Buffet, welchem es an nichts mangelt? Richtig! Keine Gala. Hier komme ich in's Spiel. "Gestatten: MadActor. Siebtes Semester. Zuständig für das Buffet. Wie bitte? Geschnetzeltes und Vanillepudding für den Preis? Da koche ich doch lieber selbst!"

Und wer wäre ich, wenn ich mich nicht auch daran halten würde? So bin ich nun Küchenchef und koordiniere vier Helfer dabei, für einhundert Personen drei Hauptgerichte vorzubereiten, die einem Galaschmaus würdig werden sollen. Nebenbei werde ich am Gala-Abend selbst darstehen und ein Hauptgericht 'à la minute' zubereiten. D.h. von der Pfanne direkt auf den Teller des hungrigen Besuchers. Vor- und Nachspeisen werden von mir rezepteweise an die unteren Semester zur Zubereitung verteilt während die Hauptgerichte unter meiner Leitung vor Ort hergestellt werden. Hey, klar. Ich habe neben der Schule einige Zeit lang in der Großküche eines Partyservices gejobbt. Aber ich habe auch in einer Tankstelle gearbeitet und bin trotzdem nicht zum OPEC-Staaten-Vermittler ernannt worden. Zumindest noch nicht.

In Momenten wie diesen hier, in denen ich alles nochmal schriftlich festhalte und reflektiere, habe ich selbst das Gefühl, von einer Bratpfanne ins Leben gerutscht zu sein. Ich versuche nun zwanghaft einen Zusammenhang zwischen meiner jeweiligen Gemütsverfassung und dem Hang zu dämlichen Ideen herzustellen. Es ist ja nicht so, als sei ich unterfordert oder hätte nicht genug Dinge zu erledigen. Die Frage ist: gerate ich in solche Situationen auf Grund einer selbstzerstörerischen Ambition, die mich an düsteren Tagen befällt oder machen diese Situationen meine Tage düsterer? Frei nach dem Motto von John Cusack in "High Fidelity" : "Habe ich damals Popmusik gehört, weil ich schlecht drauf war oder war ich schlecht drauf, weil ich damals Popmusik gehört habe?" Wie dem auch sei, dieses zähe Steak wird bis zum letzten Bissen gegessen werden!

 

MadActor - sich mit pfanne und kelle bewaffnet 

 

1.12.08 01:05


Something Stupid? - The Result

Geschafft. In vier Tagen lernte ich einen Monolog aus "And Björk, of course" von Thorvaldur Thorsteinsson. Ein Monolog über einen Mann, der sich manchmal wünscht, geistig behindert zu sein, damit er sorglos leben und Frauen an die "Titten" fassen kann, ohne dafür zur Verantwortung gezogen zu werden.

An Tag zwei hatte ich den Text bis auf einige kleine Hänger ganz gut drauf. An Tag drei und vier entwickelten wir (ein Schauspielkollege, den ich gebeten hatte, mich zu inszenieren) mit einem Durchlauf nach dem anderen die richtige Form und probten das richtige Timing. Dann war es soweit. Der Tag der Aufführung. Ich wollte es abbrechen, sein lassen. Es konnte unmöglich klappen. Die Texthänger waren immer noch da und irgendwie fühlte ich mich nicht vorbereitet genug. Die Lust nach einem harten alkoholischen Getränk stieg mit jeder Zigarette, die ich vor lauter Nervösität im Akkord rauchte. Kein Entkommen. Mein Regisseur hätte mich notfalls auf die Bühne geprügelt. Ich verfluchte es, ausgerechnet ihn gefragt zu haben, so nett er auch sein mochte. Wenn es stimmt, dass Schauspieler bei einer Aufführung den gleichen Puls aufweisen, wie Jetpiloten bei Start und Landung einer Maschine, musste ich in dem Moment ein Space-Shuttle-Pilot gewesen sein. Bei der Landung. In einem brennenden Space-Shuttle. Ohne Sauerstoffvorrat...

Licht aus. Ich komme im Dunkeln auf die Bühne. Spot an. Da stehe ich nun. Ganz alleine im Rampenlicht und schaue mir das Publikum an. Ich blicke in jedes einzelne, erwartungsvolle Gesicht, sofern der Scheinwerfer es mich erkennen lässt. Ich atme tief durch und beginne letztendlich mit einem souveränen "Manchmal wünsche ich mir, ich wäre geistig behindert". Pause. Die ersten Lacher. Perfekt. Ab da ziehe ich es bis zum Ende durch. Zum Schluss musste ich aus dem Bühnenoff ganze drei Mal zurück auf die Bühne, um mich zu verbeugen, da das Klatschen und Pfeifen des Publikums nicht verstummen wollte.
Auf der Party nach der Aufführung konnte ich mich tatsächlich vor Umarmungen und Komplimenten nicht retten. Ein Erfolgserlebnis sondergleichen. Von Dozenten fielen Worte wie "Perfekt. Auf den Punkt gespielt. Absolut super! Eines der Highlights des Tages!", Kollegen und Kolleginnen standen Schlange, um mich zu komplimentieren und ich selbst konnte es noch am Wenigsten fassen.

Kurzum schien dieses Vier-Tage-Experiment so beeindruckend gewesen zu sein, dass drei Tage später, bei einer Anfrage einer privaten Regieschule aus Dortmund, mein Schulleiter meine Telefonnummer weiter vermittelte. Die Regieschule suchte, unter Leitung eines einigermaßen bekannten Regisseurs und Drehbuchautors, eine Hand voll Schauspieler, um sie bei einem Seminar von Regiestudenten anweisen zu lassen. Zwei Tage lang drehte ich also an einem ziemlich professionell aufgebautem Set ca. zwölf verschiedene Szenen (da andere männliche Schauspieler ausgefallen waren) unter Anleitung von zwölf verschiedenen Studenten. Vom geistig zurückgebliebenen bishin zum Schwerkriminellen war alles dabei und ich warte nunmehr auf das Filmmaterial, das ich zugeschickt bekommen soll. Der Regisseur selbst schien recht beeindruckt und versicherte, dass er ungeheure Lust hätte, in Zukunft mal mit mir zu arbeiten. Meine Nummer und Emailadresse hätte er ja bereits. So wird also aus einer Schnapsidee eine kleine Lawine. Würde nicht die Gefahr bestehen, dass ich beim nächsten Mal an einem Herzinfarkt sterben könnte, würde ich doch glatt versuchen, meinen nächsten Monolog in drei Tagen vorzubereiten.

 

 

MadActor - seine füße einzementiert hat, um auf dem boden zu bleiben

30.11.08 04:24


Something Stupid? - Zwischenbericht

Die ersten Leseproben meines Monologes sind hinter mich gebracht. Soweit sind der Text, der Charakter und seine Intention klar. Heute abend um 21.30 beginnt die erste richtige Probe und ich bin übermüdet und muss den Text noch komplett auswendig gelernt bekommen. Dazwischen immer wieder Unterricht. Deadline ist Freitag, der 14.11. Dann muss der gesamte Monolog inklusive Figur und Körperlichkeit sitzen und die Aufführung wird stattfinden. Schade, dass ich es nicht einfach vom Blatt ablesen kann, dann wäre ich nämlich garnicht so schlecht im Zeitplan. Also: zurück an die Arbeit.

 

 

MadActor - vor lauter lesen bereits schielt

12.11.08 13:03


Something Stupid?

Schonmal versucht, in vier Tagen einen Monolog auswendig zu lernen? Nein? Und nicht nur auswendig lernen, sondern ihn dann auch noch souverän, authentisch und mit Gefühl vor Publikum aufzuführen? Auch nicht? Nun, ich werde es versuchen. Der Countdown läuft. Heute ist Tag 1!

 

 

 

MadActor - fragt sich, welcher teufel ihn geritten hat 

10.11.08 06:16


Just For Now...

Also: an dieser Stelle einfach mal eine Produktion, ähnlich derer, in denen ich z.Zt. mitspiele. Es sind, wie in diesem Fall, No-Budget-Filme, die von Studenten produziert werden, die immer wieder einige Schauspieler suchen. Mittlerweile habe ich zwei Haupt- und eine Nebenrolle in solchen Filmen gespielt. Und jedes Mal war es ein Riesenspaß...

Das ist eben die Art Film, mit der ich teilweise arbeite. Und ich finde, dass es für ein Studentenwerk relativ gelungen ist, wenngleich auch noch lange nicht perfekt. Aber wer weiß, wie ein Spielberg angefangen hat und wo sich diese Herren in einigen Jahren wiederfinden werden.

 

 

 

MadActor - sich einfach mal bei youtube umschaut, um weitere beispiele zu zeigen

10.9.08 05:53


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